zwischen den Stühlen

Ich sehe den Wildgänsen hinterher. Wie eine Perlenkette am
blauen Himmel. Sie nehmen ihn mit – endgültig – den Sommer.

Längst verabschiedet haben sich die letzten bunten Blätter der
nun kahlen Bäume. Raureif ziert das Land im tiefen Sonnenlicht.
Es ist still geworden – der Jahreszeit entsprechend. Nur noch
kurz sind die Tage.
Es ist nicht meine Zeit. Sie beschäftigt nicht – ist still und
farblos. Lässt nachdenklich werden und Sehnsüchte erwachen.

Ich schaue in das helle Blau des Himmels – nicht eine Wolke. Ein
glitzerndes Flugzeug malt lautlos einen weißen Dunststreifen in das
markelose Blau. Geradlinig  und akkurat. Wie ein Gedankenstrich,
der sich nur langsam dem Blau wieder ergibt.

Vergangen – ein weiteres Jahr. Das Gefühl, zwischen den Stühlen
zu sitzen, ist nicht verflogen. Es bleibt – kennt wohl keinen Winter.

Noch kann ich sie sehen – die Wildgänse. Wie ein schmaler Strich
am Horizont – sich in seiner Form immer wieder verändernd.
Da fliegen sie dahin – wie meine Träume. Später Herbst nach zweitem
Frühling, der keiner war. Unerfüllt. Hinterlassenschaft in Grau mit
blauem Himmel.
Könnte ich nur mitkommen. Entfliehen – diesem Winter hier und in mir.
Einer Melodie folgend vielleicht. Einer Melodie, die nicht erinnert
an Grenzen. Nicht erinnert an Wünsche – deren Erfüllung entschwindet wie
der schmale akkurate Dunststreifen am Himmel.
Davonfliegen – es ihnen gleich tun. Ein Stück nur – um zwischen den
Stühlen heraus zu kommen.

Advertisements